11. Bonner Symposium zur Psychotherapie

11. Bonner Symposium zur Psychotherapie & Jahrestagung der Deutschen Fachgesellschaft für tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie (DFT)

Humor – Vitalität – Leichtigkeit   – Der Beitrag der psychodynamischen Psychotherapie

Heutzutage über Leichtigkeit und Humor in der Psychotherapie nachzudenken, scheint auf den ersten Blick ein gewagtes Unterfangen zu sein. Die Profession muss sich im postmodernen Problemwandel ständig neu positionieren und sich mit knapper werdenden Ressourcen im Gesundheitssystem und mit so heterogenen sozialen Herausforderungen wie psychischen Folgen von Krieg, Gewalt, Missbrauch oder Internetsucht auseinandersetzen. Ist die "Leichtigkeit des Seins" eine Option, um mit den psychosozialen Krisen der Gegenwart zurechtzukommen? Die psychodynamische Perspektive eröffnet eine spannende Auseinandersetzung mit den unbewusst transportierten Implikationen der drei für die diesjährige Tagung gewählten Leitbegriffe. Es haben sich folgende vier Themenschwerpunkte herauskristallisiert:

  • Welche Möglichkeiten bieten Humor und Leichtigkeit bei der Formulierung eines Fokus für psychotherapeutische Interventionen bei z.B. Angst, Depressionen oder Trauma?
  • Wie können Ressourcen aktivierende sprachliche, kreative oder künstlerische Interventionen die Vitalität und Lebenslust von Patienten (wieder) anregen und durch Traumata geprägte implizite Gedächtnisstrukturen positiv beeinflussen?
  • Wie können Mentalisierung und Symbolisierung durch Witz, Humor oder gar durch distanzierende Ironie angeregt und dadurch effektiver zur Bewältigung tragischer Schicksalsschläge genutzt werden?
  • Wie können aktivierende und strukturbietende Interventionen, insbesondere durch Clownerie, Jazzmusik, Tanz und Meditation bei Kindern und Jugendlichen, aber auch bei Erwachsenen, zu psychischer Erleichterung und neuem Lebensmut verhelfen?

Bei genauerer Betrachtung sind Humor und Vitalität wie zwei Seiten einer Medaille und scheinen das Leben und auch das Leiden zu erleichtern. Unter Humor verstanden die Menschen im 18. Jahrhundert einen tieferen "Sinn für Spaß" – anders als eine dekadente Spaßgesellschaft annehmen ließ. Humor zu haben galt nämlich als eine Kunstfertigkeit, die der Konversation und damit einer lebensbejahenden, zwischenmenschlichen Kommunikation diente. Vitalität im Sinne von unbeschwerter, kraftvoller Lebendigkeit ist unbenommen auch heute ein anzustrebendes therapeutisches Ziel und hängt, wie der Humor auch, mit der Kunst zusammen, das Leben so anzunehmen, wie es ist – und auch damit, das jedem Einzelnen zugedachte Zeitlimit zu akzeptieren –  frei nach dem Motto:

"Raste nie, doch haste nie!
Sonst haste die Neurasthenie!"

(Otto von Hartleben 1864-1905)

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